• janice.allermann

Habitualisierte Reaktion: Ärger, Wut, Hass – Teil 2

Oder: Wut heilen – die Kraft der Geduld aus einer Buddhistischen Perspektive


Teil 1 verpasst?



In einer Situation, in der wir normalerweise mit Wut reagieren würden, wie schaffen wir es, ruhig und gelassen zu reagieren? Wenn unser Selbstbild angegriffen wird, wenn unsere Glaubenssätze herausgefordert werden – hier wird unsere Kapazität für Geduld und Toleranz am meisten getestet.


Im Buddhismus wird Geduld als das Gegenmittel zu Wut gesehen. Das Tibetische Wort ‚soe-pa‘ wird mit Geduld, aber auch mit Toleranz und Nachsicht übersetzt. Genauer: Es bezeichnet eine entschlossene Reaktion gegen Widrigkeiten, aus ruhiger Stimmung (aus ruhigem Temperament) heraus unbeirrt von äußeren und inneren Störungen.



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Mit großer ‚soe-pa‘ zu reagieren, bedeutet also nicht passiv jedwede Situation hinzunehmen, sondern ist ein aktiver Weg mit Widrigkeiten/schwierigen Situationen umzugehen. Dies beinhaltet zum einen das bewusste Erkennen und Annehmen von Schmerz, zum anderen Toleranz für diejenigen zu haben, deren Verhalten bei uns normalerweise Wut entstehen lässt. Noch einen Schritt weiter: Statt mit Wut, Ärger und Hass zu reagieren, sich bewusst dafür zu entscheiden, Mitgefühl für unser Gegenüber aufzubringen – auch wenn wir in diesen Situationen fühlen, dass dieser Gegenüber uns Leid zufügt.




Wut, Ärger und Hass erscheinen als Freund in Situationen, in denen wir uns ungerecht behandelt fühlen, unzufrieden sind – doch letztendlich geben sie uns nur die Illusion von Schutz. Rache zu nehmen, kann niemals das Leid, welches uns zugefügt wurde reduzieren oder ungeschehen machen. Schlussendlich fügen wir uns, wenn wir mit Wut, Ärger und Hass reagieren, selbst Schaden zu – wir zerstören den Zustand von Ruhe und Frieden unseres eigenen Geistes.



Why be unhappy about something, If it can be remedied? And what is the use of being unhappy about something, If it cannot be remedied?

Shantideva (From: A Guide to the Bodhisattva´s Way of Life; Chapter on “Patience”, Verse 10)



Buddhismus sieht Toleranz und Geduld nicht als Zeichen von Schwäche, sondern als Zeichen von Stärke – herrührend von der Fähigkeit gelassen und standhaft zu bleiben. Zugrunde liegt die Fähigkeit unendliches Mitgefühl zu empfinden – ein Geisteszustand frei von Gewalt.


Das nächste Mal, wenn du dich in einer Situation findest, in der du normalerweise mit Wut, Ärger oder Hass reagieren würdest, lass dich von Liebe und Mitgefühl für dein Gegenüber leiten, lass deine Reaktion von Geduld und Toleranz geprägt sein, sodass deine innere Ruhe und Gelassenheit bestehen bleiben.



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