• janice.allermann

Ungewissheit. Die Illusion von Sicherheit.

Wir leben in der Illusion alles kontrollieren zu können. Wir (besonders angstvolle Menschen) haben einen Plan für alles. Dies gibt uns ein (falsches) Gefühl von Sicherheit.


Bestimmte Ereignisse (der Tod einer geliebten Person, eigene Krankheit, globale Bedrohungen, usw.) sprengen unsere Welt – sie zeigen uns wie wenige Kontrolle wir eigentlich haben – sie machen uns machtlos. Wenn alle angenommene Macht und Kontrolle von uns benommen wird, bemerken wir, wie verletzlich und fragil wir eigentlich sind – und letztlich, wie verletzlich und fragil das menschliche Leben ist. Es scheint, dass wir erneut entdecken, dass wir sterben werden – eine Tatsache, die scheinbar in Vergessenheit geraten ist (oder in unserem Geist sehr weit nach hinten geschoben wurde), sodass wir mit unserem alltäglichen Leben beinahe fahrlässig umgehen.


Ich fühle, dass wenn unsere eigene Sterblichkeit wirklich greifen würden, wir unser Leben anders leben würden. Wir würden andere Entscheidungen treffen – wären mutiger; denn was würde es ausmachen eine ‚falsche‘ Entscheidung zu treffen, wenn man sowieso eines Tages stirbt?!


Ich liebe es zu planen, zu kontrollieren – dies gibt mir ein Gefühl der Sicherheit. Ich denke, ich war schon immer so – ein mehr auf Sicherheit bedachter Persönlichkeitstyp. Seit meiner Angstzustände und Panikattacken ist mein Bedürfnis nach Sicherheit noch mehr gestiegen. Ich denke dies ist darauf zurückzuführen, dass das Ereignis, welches meine Angstzustände und Panikattacken ausgelöst hat, all mein Urvertrauen ausgelöscht hat. (Urvertrauen = grundlegende Annahme, dass alles in Ordnung sein wird, dass wir so wie wir in der Welt sind, sicher sind).


Wenn dieses Urvertrauen zerstört ist/niedrig ist/noch nie existierte, neigt man dazu Sicherheit im Außen zu suchen – genauer gesagt darin äußere Umstände zu kontrollieren.

Dies erscheint mir eine absolut logische Folge: Wenn man die Welt nicht als sicher erlebt, nicht fühlt, dass alles gut sein wird, egal was passiert, selbstverständlich versucht man dann, soviel wie möglich von der Welt (der eigenen Welt) zu kontrollieren.


Dies macht das Sicherheitsgefühl und letztlich das eigene Glück von äußeren Umständen abhängig: Nur wenn etwas nach Plan verläuft, fühlt man sich sicher und glücklich. Wenn Pläne misslingen, ist das Gefühl der Sicherheit ausgelöscht, was einen nach unten zieht/traurig/wütend, usw. macht.


Menschen mit einem geringen (oder keinem) Urvertrauen, haben im Allgemeinen eine geringe Resilienzfähigkeit (= die Fähigkeit nach Niederlagen/schweren Situation schnell wieder aufzustehen; die Fähigkeit schnell auf veränderte Umstände zu reagieren). Veränderte Umstände/schwere Situationen/Misserfolg fühlen sich für uns an, als hätten wir als Mensch versagt, als hätten wir etwas falsch gemacht, dass zu dem unerwünschten Ende geführt hat. Als wäre es unsere Schuld, dass die Dinge nicht so gelaufen sind wie sie geplant waren – wir nehmen dies sehr persönlich. Wir versagen als Person – wir versagen als Mensch in dieser Welt.


Zu lernen und wirklich zu verstehen, dass das Leben nicht immer nach Plan verläuft, reduziert den Druck immer eine Top-Performance abliefern zu müssen.


Jedes neue Lebensereignis birgt die Chance zu erkennen, dass es Dinge gibt, die außerhalb unserer Kontrolle liegen.


Dies können kleinere Situationen sein, wie wenn jemand das Vorderrad des Fahrrads klaut (während es im Hausflur angeschlossen ist - jup, das ist passiert), oder ein größere Situationen wie die Klimakrise.


Wenn man wirklich drüber nachdenkt, fällt einem auf, dass es nichts gibt, was man zu 100% kontrollieren kann.


Für Menschen mit geringem (oder keinem) Urvertrauen hört sich dies unheimlich an; aus einer anderen Perspektive wird es aber aufregend – man weiß nie, was passieren wird, wie eine Situation ausgehen wird, welche Möglichkeit, welche Chance sich auftuen werden.


Jede schwierige Situation birgt ein großes Potential. Jede Krise kann zu einer Chance werden.


Werkzeugkasten im Umgang mit Ungewissheit:


  1. Sich an das Unbehagen des ‚Nicht-Wissens‘ gewöhnen – es ist in Ordnung nicht zu wissen wie eine Situation ausgehen wird. Noch ein Schritt weiter: Finde Freude und Begeisterung im ‚Nicht-Wissen‘.

  2. Lass die Kontrolle los; gib dich dem was ist hin, akzeptiere das was ist. Bleib allem gegenüber offen, egal was zu dir kommt.

  3. Zoom aus der Situation heraus. Meistens gucken wir nur durch unsere eigenen Augen. Einen Schritt zurück treten/herauszoomen/eine andere (weniger persönliche) Perspektive einnehmen, lässt die Situation in neuem Licht erscheinen und zeigt uns wohlmöglich, dass die Situation bezogen auf das große Ganze (das große Universum) noch nie wirklich wichtig war.

  4. Vertrauen und Glauben haben. Das eigene Vertrauen in das einem innewohnenden Gute und den Glauben an das Universum stärken. Du bist perfekt so wie du bist und das Universum stützt dich; du brauchst ihm und seiner Magie nur zu vertrauen.

Ungewissheit und Angstgefühle sind hartnäckig. Dies zu ändern, bedarf Zeit und Übung. Ich hoffe, dass diese Werkzeuge dir auf deiner Reise helfen. Wenn du Fragen hast oder Unterstützung brauchst, schreib mir gerne.


Welche Werkzeuge/Techniken nutzt du, um mit Ungewissheit umzugehen?



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