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Yin Yoga Physiologie

Auf der physiologischen Ebene zielt Yin Yoga auf die tiefen verbindenden Gewebe ab. Intention ist es, die Gelenke, Bänder und das tiefe Fasziennetzwerk zu kräftigen.



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Diese yin-artigen Gewebe sind von Natur aus plastisch und benötigen daher yin-artige Beanspruchung > sanfte, aber lang gehaltene Belastungen.

Im Gegensatz dazu brauchen unsere yang-artigen Gewebe, unsere Muskeln, yang-artige Beanspruchung > rhythmische und sich wiederholende Bewegungen nur mit kurzem statischem Halten (so wie wir das in unseren Yang-Yogastilen wie Ashtanga, Vinyasa, Hatha, etc. praktizieren).



Während unsere Yin-Praxis arbeiten wir an unseren tiefen verbindenden Geweben. Wenn unsere Muskeln warm und aktiv sind (z.B. weil wir gerade eine aktivere Yang-Praxis absolviert haben, oder weil wir einen körperlich aktiven Tag hinter uns haben), sind sie am längsten und neigen dazu den größten Teil der Belastung in einer Haltung abzufangen. Wir wollen, dass die Muskeln entspannt, und am besten sogar kalt sind (am besten kurz nach dem Aufstehen), sodass die physischen Vorteile am größten sind.

Yin Yoga abends zu praktizieren minimiert zwar die körperlichen Vorteile, hat aber einen ausbalancierenden und beruhigenden Effekt – gerade nach einem eher aktiven Tag (psychologischer Vorteil).



Belastung (engl. ‚Stress‘) vs. Stretch

Belastung = Spannung, mit der wir das Gewebe, belasten

Stretch = Verlängerung, die aus einer Belastung resultiert


Wenn wir unsere Yin-Gewebe belasten, tun wir dies nicht um sie zu stretchen. Die Belastung kann potentiell zu einer Verlängerung führen, aber, nehmen wir unsere Bänder und Gelenke als Beispiel, wollen wir diese nicht stretchen (= in die Länge ziehen). Wir wollen sie belasten, und mit der Zeit führt dies potentiell dazu, dass sie länger, dicker und stärker werden.


Physiologie im Detail:

Jede Belastung eines Gewebes reduziert dessen Toleranzlevel – egal ob es sich um Yang-Gewebe (Muskeln) oder um Yin-Gewebe (Bänder, Gelenke, tiefe Faszien) handelt. Anfangs wird das Gewebe durch Beanspruchung schwächer. Dann, nachdem die Belastung vorbei ist, wir dem Gewebe Zeit zum Ruhen geben, erholt es sich und wird stärker. Nur durch Ruheperioden kann das Toleranzlevel eines Gewebes zu einem höheren Punkt als anfangs gehoben werden. Schlüssel zum Erfolg: Ausreichend Zeit zum Erholen.


Während unserer Yin-Praxis versuchen wir nicht so tief wie möglich in eine Haltung zu gehen – stattdessen versuchen wir unsere Grenze zu finden (à der Bereich, wo du einen deutlichen Widerstand spürst) und genau dort zu halten, sodass sich der Körper langsam öffnet (oder wir bleiben genau dort wo wir sind, oder wir kommen etwas aus der Haltung heraus). Tiefer in eine Yin-Haltung zu gehen bedeutet meist, dass wir die Verweildauer in der Haltung verlängern. Zeit – nicht Intensität – ist wichtigstes Merkmal der Yin-Praxis.



Ich hoffe dieser Post hilft dir zu verstehen wie Yin Yoga unsere verbindenden Gewebe beansprucht.


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Wenn du mehr über meine ersten Gedanken und folgende Erfahrungen zum Yin Yoga lesen möchtest, klick hier.



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